DIE SAMANIDEN

…..Ich betrat ein Haus mit vielen Zimmern. In jedem Raum gab es Bücherkisten, eine über die andere gehäuft. In einer Kammer waren arabische Bücher und Bücher zur Poesie, in einem anderen juristischen Werke, und so in jeder Kammer Bücher zu anderen Wissenschaften. Ich sah Bücher, deren Namen den meisten Menschen unbekannt sind, ich habe nie eine solche Sammlung von Büchern gesehen. Ich las diese Bücher, lernte aus ihnen und erkannte die relative Bedeutung eines jeden Menschen in seiner Wissenschaft.
…..Dies schrieb im Jahre 997 der siebzehnjährige Ibn Siena (Avicenna) voller Bewunderung, als er die samanidische Hofbibliothek gesehen hatte. Mit den Samaniden begann am Ende des 9. Jahrhunderts ein goldenes Zeitalter für die Künste. Nach den starken Umbrüchen trat eine Zeit der Ruhe ein, die Völker hatten den Islam angenommen, und das kulturelle Erbe der persischen Reiche beein-flußteauch die arabischen Eroberer.
…..Als Stammvater der Dynastie gilt Saman, ein Adeliger aus Balch, der ein Nachkomme der Sassaniden gewesen sein soll. Ihm gelang es, mit Hilfe seiner Söhne ein Reich, das Mittelasien, Nordafghanistan und den Ostiran umfaßte, zu gründen. Das Samanidenreich blühte auf, ihre Paläste waren prunkvoll mit Edelmetallen und Edelsteinen ausgestattet, sie hatten Handelsbeziehungen von China und Indien bis nach Vorderasien und Europa. Aber auch ihr Reich zerbrach an Erbstreitigkeiten und dem Vordringen neuer Steppenvölker. Ab 992 fielen von Nordosten die Karachaniden in das Reich ein, und aus dem Südosten drangen die Ghasnewiden vor. Aber ihre Herrschaft währt nicht lange, denn Dschingis Chan ist auf dem Vormarsch.